Geschrieben von Martin Bosbach

am 12. Januar 2026

Interview: SAP verstehen, einordnen und beruflich nutzen

SAP Logo als visuelles Symbol für ERP-Software und berufliche Weiterbildung

SAP prägt seit Jahrzehnten die Geschäftsprozesse von Unternehmen weltweit – und ist dennoch für viele schwer greifbar. Um einen verständlichen, praxisnahen Einblick zu geben, haben wir mit Frau Malinowski gesprochen. Sie ist erfahrene SAP-Dozentin am Berger Institut und begleitet seit vielen Jahren Teilnehmende aus unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen beim Einstieg und der Weiterentwicklung im SAP-Umfeld.

Im Interview teilt sie ihre persönlichen Erfahrungen, ordnet aktuelle Entwicklungen ein und erklärt, warum SAP-Kompetenzen auch langfristig eine stabile Grundlage für den Arbeitsmarkt darstellen.


Was ist SAP – kurz und einfach erklärt?

SAP ist Deutschlands Tech-Unternehmen Nummer 1 mit Hauptsitz in Walldorf und vor allem bekannt als marktführender Anbieter von ERP-Software, mit der alle Ressourcen, die es in einem Unternehmen oder einer Organisation gibt, wie Finanzen, Personal, Waren etc., verwaltet werden können. So gut wie alle großen Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen in Deutschland setzen SAP-Software ein, darüber hinaus ist die Software auch in ganz Europa sowie weltweit im Einsatz.


Wie sind Sie ursprünglich mit SAP in Berührung gekommen – und in welcher Rolle?

SAP gilt besonders unter jungen Akademiker:innen als innovativer, attraktiver Arbeitgeber, bei dem die Belegschaft unter campusmäßigen Bedingungen mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung arbeitet. Da ich nicht weit entfernt vom Hauptsitz wohne, habe ich mich Mitte der 90er Jahre dort beworben. Einen Einstieg fand ich in der Abteilung Communications Media, wo ich zunächst an der Erstellung und weltweiten Bereitstellung von Schulungsunterlagen mitgearbeitet habe. Später habe ich mich weiterentwickelt zum Information Developer und habe eng mit Software-Entwicklern zusammengearbeitet.


Warum arbeiten Sie bis heute mit SAP – trotz gängiger Vorurteile?

Die SAP-Software ist hoch komplex, was zunächst einmal abschreckend wirken mag. Andererseits birgt diese Komplexität sowie die starke Marktdurchdringung in nahezu allen Branchen großes Entwicklungspotenzial und berufliche Chancen. Es gibt natürlich auch andere ERP-Anbieter, deren Software ähnlich aufgebaut ist, doch ich persönlich habe die Vorteile der SAP-Software gerade bei der Arbeit mit anderen ERP-Systemen zu schätzen gelernt.


Wo begegnet uns SAP im Alltag, ohne dass wir es merken?

Als Privatpersonen machen wir uns keine Gedanken darüber, wie Dienstleistungen, die wir selbstverständlich in Anspruch nehmen, funktionieren. Tatsächlich funktionieren sie sehr oft durch den Einsatz von SAP-Software, z. B. wenn wir etwas im Internet bestellen, bei unserer Behandlung im Krankenhaus oder wenn wir uns eine Cola am Automaten ziehen.


Was unterschätzen SAP-Einsteiger am meisten – und wie sollten sie starten?

Einsteiger unterschätzen häufig die Komplexität der SAP-Software. Gerade anfangs herrscht häufig die Vorstellung, es handele sich um eine Art App oder Programm, das man in kurzer Zeit vollständig durchdringen und erlernen kann.


Welche SAP-Module und Rollen sind aktuell besonders gefragt (z. B. FI/CO, MM, SD, HCM, Basis, ABAP)?

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht auch wegen des demografischen Wandels ein Fachkräftemangel. Nach wie vor haben noch nicht alle Unternehmen ihr ECC-System auf SAP S/4HANA umgestellt, sodass auch deswegen SAP-Expert:innen gesucht werden. Neben FI und MM hat das Personalwesen im Vergleich zu früher an Bedeutung gewonnen.


Warum sind SAP-Kenntnisse seit Jahren so wertstabil am Arbeitsmarkt?

Wegen der starken Marktdurchdringung in den unterschiedlichsten Branchen sind SAP-Kenntnisse wertstabil.


Welche SAP-Profile haben heute die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt – und warum?

Am begehrtesten sind natürlich SAP-Berater:innen mit nachgewiesener Expertise und langjähriger Projekterfahrung. Doch auch Berufseinsteiger:innen, die bei Bewerbungen SAP S/4HANA-Kenntnisse nachweisen können, haben bessere Chancen bei der Einstellung, und zwar durchgehend in allen Geschäftsbereichen. Das gilt beispielsweise sowohl für Projektmanager:innen als auch für Mitarbeiter:innen in der Produktion oder im Lager.


Reichen SAP-Zertifizierungen – oder was zählt in der Praxis wirklich?

SAP-Zertifizierungen sind besonders wichtig für Berufseinsteiger:innen, die noch keine Berufserfahrungen aufweisen können. Auch für Wiedereinsteiger nach Jobverlust oder Kinderpause sind SAP-Weiterbildungen und deren Nachweis durch SAP-Zertifizierungen ein wichtiger Baustein, um für den Arbeitsmarkt attraktiver zu werden. Hilfreich und gut, um das eigene Selbstvertrauen zu stärken, sind sie sicherlich auch bei einem drohenden Jobverlust. Natürlich muss die Weiterbildung auch zum bisherigen Berufsweg und zu den persönlichen Fähigkeiten passen.


Berger Institut SAP Weiterbildung

Martin Bosbach

bosbach@berger-bildungsinstitut.de

Langjähriger Berufsberater mit einem reichen Hintergrund an Wissen und Erfahrung in Weiterbildung. Mit einem Master-Abschluss in Pädagogik und über 10 Jahren im Berufsberatungsfeld habe ich mich auf die Unterstützung von Klienten bei der Planung und Umsetzung von Bildungs- und Karrierewegen spezialisiert.