Geschrieben von Valerie Jahnke

am 21. Januar 2026

SPS Programmierung lernen

Interview mit SPS-Dozent Uwe Hartmann – 36 Jahre Industrie- und Automatisierungserfahrung

SPS-Programmierung ist eine der zentralen Schlüsselkompetenzen der modernen Industrie. Ob Produktionsanlagen, Logistikzentren oder Smart Factories – überall sorgen speicherprogrammierbare Steuerungen im Hintergrund für sichere, effiziente und automatisierte Abläufe.

In diesem Interview spricht unser Dozent Uwe Hartmann über seinen persönlichen Werdegang, internationale Industrieprojekte, typische Fehler von Einsteigern und darüber, warum es sich gerade jetzt lohnt, SPS-Programmierung zu lernen.

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Das Interview

Wie sind Sie zur SPS-Programmierung (PLC) gekommen – klassischer Werdegang oder Quereinstieg?

-Für mich war es ein Weg ohne große Umwege. Technik hat mich schon immer begeistert.
1976 habe ich meine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker mit Gesellenbrief abgeschlossen. 1978 folgte die Fachhochschulreife an der Fachoberschule für Technik mit Schwerpunkt Elektrotechnik.
1984 habe ich mein Diplom als Ingenieur der Fachrichtung Elektrische Energietechnik an der Fachhochschule Dortmund erworben. Meine Diplomarbeit hatte bereits einen klaren Fokus auf Automatisierungstechnik.

Im Anschluss war ich 36 Jahre im Stammhaus für Automatisierungstechnik am Standort Nürnberg-Moorenbrunn tätig, zuletzt als Senior Consultant für MES und HMI.


An welchen Großprojekten haben Sie im Laufe Ihrer Karriere gearbeitet?

-Es waren zahlreiche nationale und internationale Projekte. Dazu gehörten unter anderem Frachtzentren der Deutschen Bundespost, Projekte bei der Minengesellschaft Vale in Brasilien sowie mehrere MES-Systeme in Zigarettenfabriken in Greensboro und Winston-Salem in North Carolina.
Außerdem habe ich Projekte bei Nestlé, Roche, Bayer und Safran im Flugzeugbau begleitet sowie an einer Zugsteuerung für den RegioSprinter mitgearbeitet.
Zusätzlich habe ich Schulungs-Workshops in China, Mexiko, Brasilien und den USA durchgeführt.


Was hat Sie an der Automatisierungstechnik von Anfang an gereizt – und was fasziniert Sie heute noch?

-Die Automatisierungstechnik ist ständig im Wandel und muss sich immer wieder neuen Anforderungen aus Industrie und Handel anpassen.
Besonders spannend ist für mich die Entwicklung hin zu weltweit vernetzten Smart Factories im Sinne von Industrie 4.0.
Diese permanente Weiterentwicklung ist für mich persönlich Reiz und Herausforderung zugleich.


Wo steckt SPS im Alltag oder in der Industrie, ohne dass man es direkt merkt?

-Zum Beispiel in Parkhausleitsystemen: Sensoren erkennen freie Parkplätze und leiten Autofahrer über Anzeigen oder Leitsysteme. Dahinter steckt eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS).
Auch im Bereich IoT tauschen SPS-Systeme eigenständig Daten aus.
Dazu kommen Roboteranlagen, fahrerlose Transportsysteme sowie kleinere SPS-Anwendungen im Haushalt, etwa für Rollläden, Heizungen oder Alarmanlagen.


Was unterschätzen Einsteiger bei der SPS-Programmierung am häufigsten?

Am häufigsten wird unterschätzt, dass man eine echte Begeisterung für technische Anlagen und deren Programmierung mitbringen muss.
Idealerweise hat man bereits Berührungspunkte mit industriellen Anlagen, etwa durch eine Ausbildung als Elektriker, Industrieelektriker oder Mechatroniker.
Auch Durchhaltevermögen ist entscheidend. Viele geben beim ersten logischen Problem auf. Dabei sollte man gerade im TIA Portal
den Ehrgeiz haben, Fehler selbst zu suchen. Nur so entsteht nachhaltiges Wissen.


Welche typischen Fehler sehen Sie bei SPS-Berufsanfängern?

-Viele unterschätzen die Bedeutung von Teamarbeit. Berufsanfänger werden in Projekte eingebunden und erhalten Teilaufgaben.
Wichtig ist, offen zu kommunizieren und nicht überheblich zu sein. Größere SPS-Projekte sind immer Teamarbeit, niemand kommt allein weiter.

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Warum sind SPS-Programmierer seit Jahren so gefragt?

-Die Digitalisierung nimmt stetig zu und die Aufgaben werden komplexer.
Einsteiger beginnen meist mit einfachen Programmieraufgaben und können sich später spezialisieren, etwa in Richtung HMI, IoT oder Kommunikationstechnologien.


Welche SPS-Kenntnisse erwarten Unternehmen heute realistisch?

-Mindestens eine Version des TIA Portals sollte sicher beherrscht werden, idealerweise V18 oder V19.
Dazu gehören Hardware-Projektierung, SPS- und Kommunikationsprogrammierung.
Grundkenntnisse in FUP werden erwartet, vertiefte Funktionen werden heute überwiegend in SCL umgesetzt.


Was macht guten SPS-Unterricht aus?

-Ein Dozent mit echter Praxiserfahrung.


Woran scheitern Teilnehmende beim Einstieg am häufigsten?

-Oft an falschen Erwartungen oder unzureichender Beratung vor Kursbeginn.
Manche haben zu geringe Windows-Kenntnisse, andere erwarten Einzelunterricht im Online-Format.
Wir vermitteln die Theorie strukturiert und lassen die Teilnehmenden anschließend eigenständig mit Unterstützung arbeiten.


Wie wichtig sind Simulationen oder reale Anlagen für das Lernen? -Sehr wichtig. Je näher eine Simulation an der Realität ist, desto nachhaltiger ist der Lernerfolg.
Langfristig sind auch reale Miniaturanlagen mit Zugriff über virtuelle Maschinen denkbar.


Welche Fähigkeit ist für einen guten SPS-Programmierer wichtiger als jede Programmiersprache? -Ein hohes Abstraktionsvermögen. Man muss logische Zusammenhänge erkennen und sich Anlagenabläufe gedanklich vorstellen können.


Was sollten Einsteiger heute unbedingt mitbringen?

-Sehr gute Windows-Kenntnisse, starkes technisches Interesse und idealerweise Erfahrung mit irgendeiner Programmiersprache.


Warum lohnt sich der Einstieg in die SPS-Programmierung gerade jetzt?

-Die Nachfrage am Markt ist aktuell sehr hoch.
Aus Erfahrung kann ich sagen: Von etwa zwölf Teilnehmenden finden bei regelmäßigen Bewerbungen zwei bis drei relativ schnell eine neue Arbeitsstelle.

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FAQ – Häufige Fragen zur SPS-Programmierung

Was ist SPS-Programmierung einfach erklärt?
SPS-Programmierung bezeichnet das Erstellen von Programmen für speicherprogrammierbare Steuerungen, die Maschinen, Anlagen und Prozesse in der Industrie automatisch steuern.

Brauche ich ein Studium, um SPS-Programmierer zu werden? Nein. Eine technische Ausbildung, praktische Erfahrung und eine gezielte Weiterbildung reichen in vielen Fällen aus, um erfolgreich in die SPS-Programmierung einzusteigen.

Welche Software sollte man für den Einstieg in SPS lernen? Am häufigsten wird das Siemens TIA Portal eingesetzt. Grundkenntnisse in FUP und vertiefend SCL gelten heute als Standard.

Ist SPS-Programmierung noch zukunftssicher?
Ja. Durch Industrie 4.0, Digitalisierung und Automatisierung steigt der Bedarf an qualifizierten SPS-Programmierern weiter an.

Wie lange dauert es, SPS-Programmierung zu lernen?
Grundlagen lassen sich innerhalb weniger Monate erlernen. Sicherheit und Routine entstehen durch Praxis, Projekte und kontinuierliches Arbeiten mit realen Anlagen oder Simulationen.

Valerie Jahnke

jahnke@berger-bildungsinstitut.de

Als engagierte Karriereberaterin und Mutter bringe ich einen reichen Schatz an Wissen und Erfahrung in der Weiterbildung mit. Mit meinem Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Berufsberatung habe ich mich darauf spezialisiert, Klienten bei der Planung und Umsetzung ihrer Bildungs- und Karrierewege zu unterstützen.